Aktuelle Fallbeispiele

Schluckbeschwerden / Globusgefühl

Eine 55 Jahre alte, sehr angespannt wirkende Patientin stellt sich mit Schluckbeschwerden vor, die seit über einem Jahr bestehen. Sie berichtet von dem Verdacht einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung), und von dem Gefühl, „als sei dort Ein Kloß Im Hals“.

In der osteopathischen Untersuchung finde ich eine vermehrte Wirbelsäulen-Krümmung im Übergang von Halswirbelsäule zur Brustwirbelsäule, zusammen mit einer Einschränkung Beweglichkeit des gesamten Schultergürtels. Außerdem sind die Halsmuskulatur und der ganze Kieferbereich druckempfindlich und deutlich verspannt.

In einer ersten Behandlung mobilisiere ich den Schultergürtel, löse die Halsmuskulatur, behandele die Wirbelsäule mit vorsichtigen Lösetechniken und befreie Kiefer und Kehlkopf.

Zu Beginn der zweiten Behandlung berichtet die Patientin von einer deutlichen Verbesserung ihrer Beschwerden. Sie kann nun den Auslösepunkt ihrer Beschwerden direkt neben dem Kehlkopf deutlich lokalisieren.

Jetzt werden diese Kehlkopfstrukturen sehr vorsichtig behandelt und außerdem der Brustkorb, das Zwerchfell und auch der Magen in die Behandlung mit einbezogen. Nach der dritten Behandlung ist die Patientin beschwerdefrei.

Es werden noch zwei weitere Termine vereinbart, in denen als Entspannungsbehandlung eine Behandlung des vegetativen Nervensystems mit kranio-sakralen Techniken erfolgt.

Schulter- und Nackenschmerzen, seit Jahren

Eine Patientin kam in meine Praxis wegen bereits langanhaltender Beschwerden im Schulter- Nackenbereich, mit ausstrahlenden Schmerzen in beide Oberarme. Manchmal wurde bei viel Stress alles noch durch Kopfschmerzen verstärkt.

Schulmedizinisch war alles abgeklärt: Röntgen und MRT unauffällig, Ultraschall und Blutuntersuchungen ohne Befund.

Beim Erstgespräch stellte sich heraus, dass sie sich mit Job, Kindern und Haushalt häufig völlig überfordert und massiv gestresst fühlte.

Bei der körperlichen Untersuchung bestätigte sich dieses Bild – der ganze Körper schien unter Spannung zu stehen, die Muskeln waren steinhart und die Faszien im Halsbereich waren verklebt und völlig unflexibel. Zusätzlich deuteten ihre Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf eine Überlastung der Leber und der Gallenblase hin. Im Befund war auch der Magen im osteopathischen Sinne auffällig. Alle drei Organe können Kopf- und Schulter-Nackenschmerzen verursachen.

Bei Stress produziert der Körper Adrenalin. Dieses verteilt sich über die Blutbahn im ganzen Körper und bringt die Faszien dazu, sich sofort krampfartig zusammenzuziehen. Daher fühlt man sich bei Stress sehr schnell völlig verspannt. Durch die Muskeln im Schulterbereich ziehen alle Nerven, die den Arm, die Hände und Finger versorgen. Haben diese Nerven nicht genug Platz im Muskelgewebe, werden sie eingequetscht. Das wiederum ist erstmal nicht gefährlich (solange der Druck nicht zu fest ist), führt aber zu Störungen in den Gebieten, wo die Nerven hinziehen. Dort kommt es zu Missempfindungen: Schmerzen, kribbelnde Finger, Einschlafen der Finger und Hände, Taubheit.

Während der osteopathischen Behandlung legte ich den Schwerpunkt aufdie Mobilisierung des Magens und auf das Lösen der oberflächlichen und tiefen Halsfaszien, die Entspannung und Dehnung der Muskulatur und arbeitete sehr viel in neurologischen Bereichen.

Das heißt, der Sympathikus, der Nerv, der bei Stress viel zu aktiv ist, wird heruntergefahren, und der Gegenspieler, der Parasympathikus, „der Entspannungsnerv“ wird stark aktiviert.

Dieser sorgt dann für eine Tiefenentspannung während der Behandlung und reguliert gleichzeitig den Muskeltonus im gesamten Körper, alle Muskeln entkrampfen und lockern sich.

Schwindel und kribbelnde Finger

Eine 39-jährige Frau litt seit etwa vier Monaten unter Schwindel bei schnellen Kopfbewegungen und Parästhesien (Kribbeln) im kleinen Finger der rechten Hand und leichten Beschwerden im Ringfinger. Außerdem hatte Sie seit längerer Zeit immer wieder Schmerzen zwischen den Schulterblättern. Dieser Schmerz wurde irgendwann durch Niesen ausgelöst.

Bei kräftigem Niesen entstehen häufig Blockaden im Brustwirbelbereich.

So ergab der osteopathische Befund eine Gelenkdysfunktion der ersten Rippe rechts und Blockierungen und Steifigkeit der mittleren Brustwirbelsäule. Auch der obere Brustkorb rechts war aufgrund der Rippenblockade mitbetroffen.

Ebenso war eine extreme Verspannung der Nackenmuskulatur und Verklebung der Halsfaszien sehr auffällig

In der Behandlung wurden die Rippen und die Brustwirbelsäule mobilisiert und die Thorax Apertur geöffnet. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die 1. Rippe gelegt. Sie hat eine sehr wichtige Funktion und steht mit dem richtigen Funktionieren des Arms in engem Zusammenhang. Osteopathisch wurden die Aufhängung des Magens, die Beweglichkeit der dazugehörigen Rippen und der Wirbel, sowie das Zwerchfell behandelt. Ebenso habe ich mit sanften Griffen die Spannungen und Verklebungen im Hals- und Nackenbereich gelöst.

Nach der Lösung der Blockaden und Spannungen sind die Beschwerden vollkommen verschwunden. Die Patientin kommt in 4-6 wöchigen Abständen zu Kontrolle und Prophylaxe und ist seitdem beschwerdefrei.

Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen sind keine primäre osteopathische Behandlungsindikation. Zuerst einmal gehören Patienten in eine ausführliche schulmedizinische Abklärung mit Belastungs- und Langzeit-EKG, herzrelevantes Labor, Herzultraschall etc.! Danach, sollten schulmedizinische Untersuchungen und Behandlungen keine Linderung gebracht haben, kann eine osteopathische Behandlung sinnvoll sein.

Meine Patientin (38) hatte diese Abklärung und eine schulmedizinische Therapie hinter sich und trotzdem noch deutliche Beschwerden.

5 Monate vor ihrem Besuch bei mir hatten ihre Beschwerden plötzlich und ohne erkennbare Ursache begonnen, einzig einen Sturz beim Skifahren sah sie in engerem zeitlichen Zusammenhang, da seitdem auch die Beweglichkeit im oberen Rücken deutlich eingeschränkt war.

Dadurch, dass sie in intensiver schulmedizinischer Betreuung war, nahm ich ihre Behandlung an. In meinem Befund waren 4-5 Blockaden in der oberen Brustwirbelsäule besonders auffällig. Diese Bereiche stehen in direktem Zusammenhang mit dem Herzen, da aus diesem Wirbelsäulenabschnitt die Nerven entspringen, die das Herz „steuern“.

Bei dem vorliegenden Befund in Kombination mit dem Sturz lag für mich dieser Zusammenhang nahe,so dass ich in der Behandlung diese Gelenksstörungen auflöste und das umliegende Fasziengewebe noch ausführlich mitbehandelte, ebenso den Rippenbogen und das Zwerchfell löste und auch die Halsfaszien lockerte und dehnte.

Auffällig war auch ein deutlicher Beckenschiefstand mit einer daraus resultierenden Beinlängendifferenz, den ich auch ausglich, bei dem ich aber nachträglich nicht mehr sagen oder feststellen kann/konnte, ob dieser die Blockierugen und Beschwerden mitverursacht hat, oder ob er durch den Sturz entstanden ist.

Brustschmerzen, Engegefühl und Atemnot

Ein 48 jähriger Mann konsultierte mich wegen plötzlicher Brustschmerzen, einem Engegefühl in der Brust und dem Eindruck, nicht mehr richtig durchatmen zu können.

Im Erstgespräch stellte sich heraus, dass er 6 Monate vorher einen Skiunfall mit einer komplizierten Verletzung der Schulter und anschließender OP hatte.

Der Arm war lange ruhig gestellt worden und auch aktuell noch nicht wieder frei beweglich.

In der Untersuchung waren neben einigen Blockaden im oberen Rücken deutliche Verklebungen und Verkürzungen der Faszien im Brust- und Halsbereich besonders auffällig.

Als netzartiges und überaus komplexes Gewebesystem umhüllen die Faszien Organe, Muskeln, Gefäße, Knochen, Sehnen und Bänder. Sie verbinden alles miteinander, halten so sämtliche Teile des Körpers zusammen und fixieren sie am richtigen Platz.

So gut und wichtig die Faszien in gesundem Zustand für uns sind, so störend können sie sich bei Verklebungen auf alle Regionen und Prozesse auswirken. Sie übertragen Spannungen im Körper und schränken die Beweglichkeit ein, verursachen Wirbelblockaden und Muskelverkrampfungen und quetschen Blutgefäße und Nerven ab.

In Folge des Unfalls, der Operation und vor allem der Ruhigstellung hatte das Gewebe seine Elastizität und seine Gleitfähigkeit verloren.

Dadurch kann sich die Lunge beim Atmen nicht mehr richtig Ausdehnen und es ensteht ein Gefühl von Enge und häufig auch starke, reißende Schmerzen im Brustbereich.

Durch eine intensive Behandlung der tiefen und oberflächlichen Halsfaszien, die bis in den Brustkrob ziehen und Herz und Lunge umhüllen, war der Patient schon nach wenigen Behandlungen beschwerdefrei.

Die Blockaden in der Brustwirbelsäule waren durch den Zug der Muskeln und Faszien entstanden und lösten sich von selbst.

Rückenschmerzen im unteren Rücken

Ein 38 jähriger Patient kam zu mir wegen sehr starker Schmerzen im unteren Rücken, die auch ins Gesäß und in den hinteren Oberschenkel ausstrahlten.

Wärme tat gut, Liegen machte die Schmerzen erträglich, aber Aufstehen, Sitzen und Laufen war kaum möglich.

Er erzählte, dass er eine hauptsächlich sitzende Tätigkeit hat und wegen hoher Arbeitsbelastung seit ca. 5 Jahren nur noch sehr selten dazu kommt, gezielt Sport zu treiben – maximal eine kleine Runde Joggen war ab und zu möglich.

Der untere Rücken hatte sich schon seit einigen Wochen etwas verspannt angefühlt, das hatte er aber erfolgreich ignoriert, bis am Vortag dann beim Heben eines Wasserkastens plötzlich „irgendwas passiert“ war und danach die starken Schmerzen auftraten.

Ebenfalls erwähnte er ein seit Monaten latent vorhandenes und stetig zunehmendes Spannungsgefühl im Nacken mit ab und zu auftretenden Kopfschmerzen.

Bei der körperlichen Untersuchung fand ich einen deutlichen Beckenschiefstand mit Beinlängendifferenz und einer Blockierung im ISG (Iliosakralgelenk), was über die verbindenden Bänder auch auch eine Bewegungseinschränkung in der Lendenwirbelsäule zur Folge hatte.

Zusätzlich war der Iliopsaos (Hüftbeuger) stark verkürzt und verspannt und es zeigte sich eine starke Verspannung der Schulter- / Nackenmuskulatur mit einer vermehrten Krümmung der oberen Wirbelsäule, was ich auf das viele Sitzen und den mangelnden Sport zurückführte.

Nach einigen entspannenden Techniken und Griffen normalisierte sich die Stellung des Beckens und durch die nun gelockerte Muskulatur war ein sanftes Einrenken des ISG möglich. Danach war keine Beinlängendifferenz mehr festzustellen.

Auch die Spannungen im oberen Rücken ließen sich anschließend mit wenigen gezielten Griffen lösen.

Der Patient war nicht sofort komplett schmerzfrei,was normal ist, bei sehr akuten und starken Blockierungen, aber die Schmerzen waren deutlich gelindert.

Wichtig ist nach solchen Behandlungen ein Folgetermin nach ein paar Tagen, da sich Muskeln, Bänder und Faszien den alten Zustand „gemerkt“ haben und gern diese Position / Spannung wieder einnehmen und damit auch die Wirbel und Knochen wieder in die schräge und blockierte Position zurückziehen.

Kopfschmerzen

Eine 43-jährige Lehrerin muss wegen ihrer häufigen Kopfschmerzen seit Jahren regelmäßig Medikamente einnehmen und sogar oft das Bett hüten.

Sie berichtet von viel Stress und Druck im Beruf und erwähnt auch, dass sie sich im Kollegium sehr unwohl und gemobbt fühlt.

Außerdem hatte sie vor einigen Jahren einen schweren Auffahrunfall, bei dem ihr aber zum Glück nichts passiert ist und erwähnt noch Operationsnarben im Bereich des Unterleibs.

Im MRT wurde außer einer Steilstellung der Halswirbelsäule kein nennenswerter Befund festgestellt.

In der Untersuchung finde ich stark druckschmerzhafte Blockierungen und gestautes Gewebe im Bereich der Halswirbelsäule sowie in der mittleren Brustwirbelsäule. Außerdem sind Muskeln und Faszien im oberen Rücken stark verspannt und die Rotation nach links und rechts ist eingeschränkt.

Der Schädelbereich ist hart und der kranio-sakrale Rhythmus eingeschränkt, was wahrscheinlich noch auf den Unfall zurückzuführen ist. Im Unterleib finde ich Spannung im Narbenbereich.

In einer ersten Behandlung löse ich mit sehr sanften Techniken die Blockaden an der Hals- und Brustwirbelsäule, ich behandle das Narbengewebe, sowie den Bereich unterhalb der Narbe. Außerdem wende ich kranio-sakrale Techniken im Bereich des Schädels an und löse mit sanften Griffen die Spannung in den Muskeln und Faszien im oberen Rücken.

Die Patientin kommt insgesamt fünf mal zur Behandlung, zunächst 2 mal wöchentlich. Bereits nach der ersten Behandlung kann Frau S. ihre Medikamente reduzieren, nach der zweiten Behandlung lassen die Kopfschmerzen in der Häufigkeit nach. Nach den fünf Behandlungen ist die Patientin komplett beschwerdefrei und benötigt keinerlei Schmerzmittel mehr, das Behandlungsintervall wird erst auf 2, dann auf vier Wochen erhöht.

Da bei Stress immer wieder Verspannungen und auch leichte Kopfschmerzen auftreten, behalten wir den 4 Wochen Rhythmus bei und können so starke Schmerzattacken verhindern.